Der süd-westliche Block des Kürschnerhofs

Stadtarchiv Würzburg


Obwohl es lange nach dem Abriss des Landgerichts, 1912 immer noch hieß: "... die Frage der Wiederbebauung ist bist heute nicht gelöst" 1, hatte man sich schon früher entschieden, dem Kürschnerhof an seiner Südwestecke "durch eine bewusste Anpassungsarchitektur wieder einen logischen [...] Abschluss zu geben." 2 Das alte, im gotischen Stil erbaute Landgerichtsgebäude hatte Treppengiebel als Brandmauern. Aus diesem Grunde wurde im Neubau auch wieder ein Giebel als Erinnerungsmotiv eingebaut. Weiterhin nutzte man auch wieder den gotischen Stil. Der von Stadtbaurat Bernatz gelieferte Entwurf zeugt von dem Versuch einen historischen Bezug zu den alten vorhandenen Bauten herzustellen.

Egstein
Auf dem Boden des ehemaligen Westflügels des Landgerichts an der Ecke Domstraße-Kürschnerhof sollte 1897 ein Neubau des Buchbindermeisters Egstein entstehen. Die Stadt gab dem Bauherrn (Stadtbaurat Bernatz) einen Zuschuss unter der Auflage, dass die Architektonik (gotischer Stil) des alten Gebäudes samt dem Giebel mit der Ritterfigur, dem Türmchen und dem Erker auf der Kürschnerhofseite im Neubau nachgebildet würden. Einige Jahre später übernahm die Firma "Salamander" die Verkaufsräume.

Weickert
Nach dem zweiten Weltkrieg baute hier die Firma Weickert ihr neues Geschäftshaus. Architekt und Regierungsbaumeister Hubert Groß musste sich bei den Planungen seiner Stahlbeton-Konstruktion strikt nach der vorhandenen Zeile richten (Höhe, Dachform).
Auch durfte der Eckbau aus Rücksicht auf den Dom "[...] seine eigene [...] Art haben, aber nicht aus der Reihe tanzen" (Oberbaurat Regierungsbaumeister Hubert Groß im Juli 1959 kurz vor Baubeginn), wie das noch der Salamanderbau mit seinen vielen Zinnen und Erkerchen gemacht hatte. Folglich wurde bei der Planung nichts Hypermodernes oder Aufdringliches riskiert.

Und so erzielen die Proportionen Ausgewogenheit und Ruhe, die Fassaden sollen ganzflächig wirken. Die vielen Fenster sind glatt, fast bündig in die Außenwände gesetzt und erzielen ein ausgewogenes Verhältnis zu den großen Schaufenstern. Die Dachflächen haben nur kleine Gauben und erscheinen somit großzügiger. Die "Außenverkleidung aus toskanischem Travertin lässt den Bau auch unter nordisch trübem Himmel heiter und einladend erscheinen." 3 In dem reinen Geschäftsbau gibt es keine Wohnungen.

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In dem neuen Bau hat heute die Firma "Tack" ihren Sitz. (Foto)


18.1.2003 Optiker Schiborr
Am 24.10.1957 wurde auf dem Gelände Nummer 3 bis 5 begonnen, die Behelfsbauten, die nach dem Krieg errichtet wurden, einzureißen. Die Planung des Neubaus übernahmen die Architekten Dipl.-Ing. Albin Amann und Dipl. Arch. Helga Müller-Schiedmayer - damals durchaus bekannte Architekten (Bsp: Möbel Neubert in Heidingsfeld).
Das gesetzte Ziel war es, trotz des beengten Grundrisses großzügig wirkende (moderne) Fronten mit weiten Fensterflächen zu schaffen. Den horizontalen Fensterbändern wurden noch vertikale Elemente eingefügt (Sprossenteilung), weil nach Ansicht der zuständigen Regierungsstellen ein mehr liegend wirkender Baukörper sich nicht mit den übrigen Bauten und der nahen Neumünsterfassade vertagen würde. Dennoch konnte kein richtig modernes Haus entstehen, da der Grundriss mittelalterlich ist.

Damit wurde in selbständiger Art eine Forderung der städtischen Baubehörden erfüllt, bei genormten Dachformen und -höhen die einzelnen Gebäude noch möglichst individuell zu gestalten. Die Hauptseite des Neubaus wurde als Stahlbetonskelett ausgeführt, die Rückseite als Ziegelbau. Diese lineare Zweck-Architektur verträgt sich ausgezeichnet mit der plastischen Kirchenfassade gegenüber.
Bemerkenswert ist, dass auch die Front zur Blasiusgasse, an der Treppenhaus, Küchen, Bäder usw. liegen, durch überlegte Anordnung der Fenster noch interessant gegliedert werden konnte. Im ersten Stock, über dem großen Geschäftsraum der Firma "Schiborr und Söhne", sind Büros vorgesehen, in den anderen Geschossen Wohnungen.

Mit der Fertigstellung an Pfingsten 1958 hat "die optische Anstalt Schiborr, eines der bekanntesten und größten Geschäfte seltener Branche in Unterfranken, [...] im Herzen der Stadt ein Domizil gefunden, das an sich schon als wirkungsvolle Werbung gelten darf." 4

18.1.2003
Orientteppichhaus Bayerlein
Am 6.2.1963 verließen das Orientteppichhaus Fritz Bayerlein und das Antiquitätengeschäft Heinz Simon den ebenerdigen Verkaufsraum zwischen den Häusern Schiborr und Hügel. Während der Bauzeit verkauften beide in ihren Ausstellungsräumen in der Karmelitenstraße 9/11. Folglich war diese letzte Baulücke am Kürschnerhof wenige Monate später geschlossen worden.

Die Traufhöhe/Dachforum etc. des Neubaus waren durch die Nachbargebäude (bzw. die damit verbundenen, städtischen Vorschriften) festgelegt. Auf Wunsch und Vorlage des Bauherrn war eine möglichst großflächige Aufteilung angestrebt worden. Weiterhin sahen die Pläne vom Architekturbüro Eydel-Lauterbach vor:

  • Im Erdgeschoß soll die Schaufensterfront nur durch die beiden Eingänge zum Teppich- bzw. Antiquitätengeschäft unterbrochen werden.
  • Im ersten Stock war eine große Glasfläche vorgesehen.
  • In die Obergeschosse kommen Kleinwohnungen.
  • Im Übrigen wird das Haus sehr modern ausgestattet - auch einen Personenaufzug erhält es.
Heute befindet sich in dem Gebäude eine Filiale der Vodafone-D2-Gruppe und dir Firma "Hörgeräte Huth und Dickert" (Eingang über Blasiusgasse).

18.1.2003
Hügel
Am Haus Hügel beginnt der Aufbau des Kürschnerhofs mit den Plänen des Regierungsbaumeisters Hubert Groß. Am 15.12.1956 kann Richtfest gefeiert werden - die Geschäftsräume sollten am 1.2.1957 bezogen werden.

Jörg Paczkowski schreibt über den Neubau: "Dieser Bau - an städtebaulich exponierter Lage gegenüber der Neumünsterfassade - gleicht in seiner äußeren Erscheinung einem Kubus, bedingt auch durch seine Lage."
Und weiter: "Diese Wirkung beruht auf der nicht gliedernden Verkleidung und den architektonisch nicht behandelten Fenstern, die nur gleichmäßig in der Wand sitzen." Folglich kann seiner Meinung nach dieser Bau gut mit dem von Hubert Groß (1959/60) von Haus Nr.1 verglichen werden. 5
Heute kann man hier die Mode-Boutique "Le Clown" finden.


Fazit:
Bis zum Abriss des Landgerichts (bis 1894) konnte man noch die vielen kleinen Häuser der Handwerker sehen, die damals für den Kürschnerhof so typisch waren. Diese wurden neben anderen Bauten niedergelegt und die Gründstücke vereint, um sie mit größeren Geschäftshäusern zu bebauen. Schließlich sehen wir heute die großen Häuser, die an die Stelle der Ruinen aus dem zweiten Weltkrieg getreten sind.
Dies ist ein typisches Beispiel für die Entwicklung der Würzburger Innenstadt - von den kleinbürgerlichen Häusern der Handwerker und Kaufleute hin zu den großen, heute das Stadtbild beherrschenden Geschäftshäusern.

Zum nord-westlichen Block des Kürschnerhofs (Hnr. 9-13)


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