Die alte Westbebauung

Stadtarchiv Würzburg

Als die Kürschner im 14. Jahrhundert die Erlaubnis erhielten, ihre Ladenpavillions auf dem Kürschnerhof (damals noch Saalgarten - also der zum Landgerichtsgebäude gehörende Garten) aufzustellen, entstand die erste Häuserreihe (damals noch Holzbuden) am Kürschnerhof. Da die Bewohner zusätzlich die Erlaubnis erhielten, in den Buden zu wohnen, begannen sie, diese nach und nach aufzustocken. So entstanden die typisch gotischen "schmalen Handtücher", die (vielfach umgebaut) bis 1900 erhalten blieben.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich die Buden zu kleinen, bürgerlichen Häusern mit in bescheidenem Wohlstand lebenden Familien. Da die Grundstücke der Budenbesitzer alle sehr klein waren, sind die neuen Steinhäuser natürlich auch nur sehr schmal und dafür hoch. Um die Situation der vielen kleinen Grundstücke und ihrer Besitzer näher zu bringen, soll hier eine kleine Liste aus den Jahren 1879-1895 exemplarisch angebracht werden.
Von links (Landgericht) nach rechts (Schönes Eck):

  • Hnr. 1: Buchbinder Zang
  • Hnr. 3: Modegeschäft Laubreis bzw. Bumm
  • Hnr. 5: 1885 Coiffeur G. Müller
  • Hnr. 7: Handschuhmacher Franz Scheller
  • Hnr. 9: Uhrmacher M. Beetz (nur kurz anwesend - Andressbücher von 1879 und 1895 kennen ihn nicht)
    Ab 1895: Juwelier Ebert
  • Hnr. 11: Kürschnerfamilie Stengler
  • Hnr. 13: Modewarenhandlung Langsdorf
  • Hnr. 15: Uhrmachermeister Joh. Gg. Jacob
  • Hnr. 17: Kürnscher Helmerich (Nachfolger R. J. Buber)
  • Hnr. 19: 1879 im Besitz von Hofamentier Ernst Gutbrot, 1895 der Restaurateurswitwe Babette Gutbrot
  • Hnr. 21: Goldarbeiter Bieger (Nachfolger: Karl Schleicher)
  • Hnr. 23: Chir. Instrumentenmacher Herrmann (Nachfolger: Friedrich Lod)
  • Hnr. 25: 1879 Buchbinderswitwe Magd. Liber, 1895 Zigarrenhändler Gg. Metzger
  • Hnr. 27: Goldarbeiter Peter Ebert (später: Juwelier Friedrich Schwarz)
  • Hnr. 29: Kaufmann Simon Mannfried, danach Uhrmachermeister Johann Hornschuh
  • Hnr. 31: Graveur Rückert
  • Hnr. 33: Privatier Friedrich
Festzuhalten ist, dass sich in der Häuserzeile, in der erst (fast) nur Kürschner wohnten, relativ schnell auch andere Handwerker niedergelassen haben. Grundsätzlich hatten am Kürnscherhof vor allem Uhrmacher, Juweliere und natürlich Kürschner ihr Handwerksviertel.

Eine logische Folge dieser vielen kleinen Gründstücke war, dass es keine einheitliche Bauflucht gab. (siehe Plan 1832 und Bild oben)
Mit dem Abriss des Landgerichts begann allerdings auch für die kleinen Ladenbuden die Zeit abzulaufen. Nach und nach wurden sie entfernt und durch größere, mehrere Grundstücke umfassende Geschäftshäuser ersetzt.
Weil nach dem 16.3.1945 85% der Altstadt zerstört waren bestand der Kürschnerhof noch einmal aus den Behelfsbuden der ansässigen Geschäfte.
1956 waren die Grundstücksumlegungen beendet und die Firmen begannen, ihre Behelfsbuden wieder abzureißen und die heute bestehenden Gebäude zu errichten.
"Nach der Zerstörung der meisten Häuser im Zweiten Weltkrieg sollte nach dem Willen der Stadtplaner vor dem Neumünster ein Platz entstehen. Sie träumten von einer Würzburger "Piazza Novana", die durch die Einebnung der Brandruinen zwischen Blasiusgasse und Kürschnerhof entstehen könnte. Doch die Geschäftsleute, denen an der Wiedererrichtung ihrer Läden gelegen war, setzten sich durch. Die Straße am Neumünster entstand in ihrer heutigen Form. Aber auf den neuen Straßenschildern war der alte Name, Hinweis auf ein Stück Stadtgeschichte, zu sehen." 1

Mehr über die beiden Blöcke auf der West-Seite des Kürschnerhofs:
Nord-westlicher Block
Süd-westlicher Block


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