Biografie: Theodor Fischer

Prof. Dr. h. c. Theodor Fischer (* 28.5.1862 in Schweinfurt) stammte aus einem kultivierten, protestantischen Schweinfurter Kaufmannshaus. Der Humanist und Goethe-Verehrer hat seine architektonischen Lehrjahre (1886-89) unter Wallot beim Bau des Reichstagsgebäudes verbracht - einer Zeit, in der die architektonischen Aufgaben nach Monumentalität und repräsentativem Ausdruck gestrebt haben. Nach Arbeiten als freier Architekt in Dresden in den Jahren 1889 bis 1893 wird er Vorstand des neuen Münchner "Stadterweiterungsbüros" und heiratet eine Würzburger Notartstochter. Hier streift er die epochalen Gedanken ab und entwickelt eigene Ideen. 1901 folgt er einem Lehrauftrag an die TH-München und erhält mit 50 die Ehrendoktorwürde der TH Stuttgart ("Mittler zwischen den Zeiten"). 1908 kehrt er aus Stuttgart zurück an den neu gegründeten Lehrstuhl für Städtebau. Er stirbt am 25.12.1938 in München.
1900-1910 war Fischers reichstes Jahrzehnt - er schuf unter anderem:

  • 3 Isarbrücken (Prinzregenten-, Bogenhausener-, Wittelsbacherbrücke)
  • Polizeipräsidium in München
  • Uni in Jena
  • Landesmuseum in Kassel
  • Kunstgebäude am Stuttgarter Schlossplatz
  • Museum in Wiesbaden
  • "Idealentwurf" eines Saalbaus am Krahnenkai für Würzburg (Oktober 1925)
  • 1898 Bürgervilla in Würzburg, die 1970 verschwand und dann durch einen Wohnblock ersetzt wurde
Seit 1891 beobachtete er die städtebaulichen Veränderungen am Kürschnerhof. Th. Fischer war Städtebauer: Mehr als 20 Städte verdanken ihm Bebauungs- und Fluchtlinienpläne. Seine Schüler waren: Bestelmeier, Bonatz, Schmitthenner.

Theodor Fischer hielt Zeit seines Lebens als Baukünstler eine Position der Mitte zwischen elektrischem Historizismus und Jugendstil - zwischen Volkstümelei und klassizistischer Pose und Bauhaus-Internationalismus. Typisch für ihn waren seine Turmlösungen, Portale und eigenwillige Kuppeln.
Seine Bauten wollen gar nicht isoliert betrachtet werden. Sie sind Teil eines Ganzen, sei es Stadt oder Landschaft. In dem Bestreben, nach rechts und nach links Verbindung zu erhalten, dem Bestehenden seine Eigenart zu belassen und doch den eigenen Gedanken wirkungsvoll auszusprechen. Auch zeichnete ihn das Können aus, in vorgezeichneten Bauten eine eigene Handschrift zu hinterlassen.


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